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Was ist eine Privatuniversität?

Dieser Eintrag stammt von ruth Am 31.1.2011 @ 01:06 In Bildung, Allgemein | 1 Kommentar

Nun, der Unterschied zwischen einer staatlichen und einer privaten Uni sei, dass die eine seitens der staatlichen Verwaltung eingerichtet wurde, die andere von irgendeiner privaten Instanz geführt werde – sollte man meinen. Natürlich wird man angesichts der Größe des Projektes, das eine Universität bzw. schon allein ihre Gründung darstellt, auch bei der privaten Führung schnell an größere Institutionen denken – vielleicht eine Religionsgemeinschaft oder irgendeine gemeinnützige Stiftung, die nicht ganz frei von ideologischem Interesse sein mag. Aber privat eben und nicht staatlich.

Private Unis haben mancherorts den Geruch von Elite und hoher Qualität zu allerdings auch hohen Preisen. Das mit der Qualität ist nicht immer so. Von einem südwesteuropäischem Land erzählt man, dass dort schlechte Privatuniversitäten die Funktion erfüllen, Sprößlingen betuchter Familien auch im Falle mangelnder Begabung gegen entsprechende Studiengebühren noch zu einem akademischen Titel zu verhelfen. Privat muss also nicht automatisch besser sein.

Aber generell bietet ein bunteres und reicheres Angebot an (auch privaten) Universitäten in einem Land die Chance auf eine Hebung des Niveaus, denn Konkurrenz spornt schließlich an.

 

Österreich hat zu wenige Studienplätze und würde mehr Universitäten gut vertragen – insbesondere auch mehrere kleine spezialisierte Unis zum Ausgleich des wahnsinnigen Massenbetriebes der staatlichen Universitäten. Daher wäre ich eigentlich der Meinung, wir könnten ruhig mehr Privatunis in diesem Land brauchen. Sogar, wenn man meint, dass solche Unis nicht allen offen stünden, würden sie eine Konkurrenz für bestehende Unis bringen, und natürlich neue Studienplätze. (Und obendrein muss man gar nicht die pessimistische Annahme hegen, dass private Unis nur für höhere Söhne und Töchter gutbetuchter Häuser wären, denn unter Umständen kümmern sich private Unis mehr darum, ihren Studierenden bei der Finanzierung auch zu helfen – durch Vermittlung von Stipendien oder Bekanntmachung von Kreditangeboten.)

Doch Österreich ist dabei, eine ganz neue Art von Privatuniversitäten zu etablieren:

 

Die österreichische „Privatuni“ unterscheidet sich von der „staatlichen“ dadurch, dass sie dem Land anstatt dem Bund gehört! Was es für die Qualität bedeutet, wenn Landespolitik versucht, sich eine eigene Uni zu halten, [1] konnte man in Hall in Tirol erleben, wo einem Studienzweig sogar die Akkreditierung entzogen wurde (und das will schon was heißen, bedenken wir, dass somanche akkreditierte Uni nicht den besten Ruf hat…). In Niederösterreich will man sich davon nicht abhalten lassen: Neben der „Donau-Universität“ Krems, die ja nur post-graduate Studien und Lehrgänge zur Weiterbildung bietet, soll eine komplette niederösterreichische Landes-Universität für Gesundheitswissenschaften entstehen. Eine „Privatuniversität“, deren Finanzierung ganz zufällig vom Land kommt. Der Landeshauptmann ist begeistert, dass er so [2] den „intelligenten Sog nach Wien“ eindämmen werde.

Wie es um die Verkehrsinfrastruktur der neuen Universitätsstadt Krems bestellt ist, konnte ich letzte Woche anlässlich eines Vortrages, den ich in einer Pfarre in Stein hielt, feststellen: Der letzte Zug von Krems fährt kurz nach 21 Uhr! (Die Veranstalter mussten mich tatsächlich nach St. Pölten zum Zug bringen.) In einer Stadt, die über eine Fachhochschule, eine „Universität“ und auch eine Kunsthalle verfügt, fährt der letzte Zug um neun!

Besondere Pointe der (nieder-)österreichischen Verkehrspolitik: Als der Campus der „Donau-Uni“ gebaut wurde, errichtete man auch einen eigenen Bahnhof für den Campus. Eigentlich sinnvoll. Nur leider liegt diese Campus-Haltestelle an einer Nebenstrecke, die mittlerweile eingestellt wurde, so dass der Campus nun einen Bahnhof hat, von dem kein Zug fährt. Dort baut das Land also seine tolle neue Uni hin. Und ja, die Med-Uni Wien ist in einer Kooperation eingebunden. Warum auch nicht? Tja - in Wien hört man, dass Stellen eingespart werden (nicht mehr nachbesetzt), weil dieses Geld nach Krems umgeschichtet wird. Moment mal: Die staatliche Med-Uni in Wien spart Budgetposten ein, die an die „private“ landesfürstliche Uni nach Krems gehen?

Solche Initiativen, „private“ Universitäten zu gründen, sind nicht hilfreich sondern furchterregend!


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[1] konnte man in Hall in Tirol erleben: http://www.zeit.de/2010/50/A-Uni-Tirol
[2] den „intelligenten Sog nach Wien“ eindämmen: http://derstandard.at/1293370670881/Niederoesterreich-Krems-bekommt-Privatuniver
sitaet-fuer-Gesundheitsberufe

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