Archive für 5.3.2010

EU-Woche der nachhaltigen Energie - geht’s uns was an?

Die Europäische Union veranstaltet vom 22.-26. März eine “Woche der nachhaltigen Energie” (EU-Sustainable Energy Week). Ein sicher sehr sinnvolles Unterfangen. Wohl ergeben solche “Wochen” nur dann Sinn, wenn auch zwischen den großen Events das Thema ernst genommen wird. Aber zur Bewusstseinsbildung tragen sie bei, und sie sind auch gute Gelegenheit, einer breiteren Öffentlichkeit den Stand der Entwicklungen und Debatten aufzuzeigen. So weit so schön. Was machen wir also in Österreich daraus?

Kurz gesagt: Fast nix.

Selbstverständlich finden zentrale Events dieser Energie-Woche in Brüssel statt. Darunter übrigens auch ein  Workshop eines Forschungsprojekts (ECO-Build) an dem ein Institut aus Wien beteiligt ist. Aber diese Energie-Woche will gar nicht nur in Brüssel sitzen bleiben: “Energie-Tage” hat man ausgerufen, die in ganz Europa stattfinden sollen. Ein Blick auf die Karte der Veranstaltungen zeigt sehr unterschiedliche Beteiligung der europäischen Länder. Von den 148 Ereignissen, hat Deutschland 16, vier sind in Polen, 42 in Italien. Österreich bringt es auf drei Termine im Kalender. Ganze drei Veranstaltungen für ganz Österreich sind für eine “Energie-Woche” ein bissi wenig. Aber vielleicht sind es große, öffentlichkeitswirksame Ereignisse -an größeren Orten, wo entsprechende Medienpräsenz zu erwarten ist? Mitnichten.

Der Blick auf den Kalender offenbart: Zwei der drei angeblichen “Energie-Tage” sind Seminare der “Umweltberatung”: Ein Vortrag in Zwettl über Photovoltaik und ein  Seminar über Haussanierung in Ysper (Mostviertel). So lobenswert beide Veranstaltungen sind: Sie haben offensichtlich nichts mit der EU-Energiewoche zu tun, sondern wären so und so Teil des Programms der NÖ “Umweltberatung”. Die Logik dieser Ankündigungen lässt sich ja nachvollziehen: Wenn man schon nichts wirklich beiträgt, schaut man, ob man nicht irgendwas hat, das sich ins Programm schreiben lässt. Sonst schaut’s ja nicht gut aus, wenn Österreich so wenig bringt. - Doch solche Kosmetik ergibt letztlich nichts. Da könnte man gleich darauf verzichten.

Setzen wir nun unsere Hoffnung in den einen verbleibenden Termin, den Österreich zur EU-”Energie-Woche” beiträgt? Es ist der 9. Wiener Gemeindebezirk, der sich beteiligt. Das überrascht nicht ganz, denn die Bezirksvorsteherin des 9. rühmt sich eines ganzen “Klimaschutzprogramms” des Bezirks (das den kleinen Nachteil hat, dass nie veröffentlicht wurde, was da genau Tolles drinnen steht), und da passt es wohl gut in die Öffentlichkeitsarbeit. Also kann man im Rahmen der Energiewoche die Fernwärme (Spittelau) besichtigen gehen. Und wer lang genug recherchiert, kommt drauf, dass der 9. Bezirk auch Vorträge über Energieeffizienz, Nahmobilität, Photovoltaik ins Programm gepackt hat. (Leider vergessend, dies auch auf der EU-Projektseite in den Kalender einzutragen). Immerhin. Aber besteht Wien nur aus dem 9. Bezirk? Wo sind die anderen Bezirke? Nicht einmal die Bezirke mit “Grünen” Bezirksvorstehern? Wie wär’s mit Aktivitäten der Stadtverwaltung, ohne auf Bezirksvorstehungen zu warten? Landeshauptstädte? Oder sonstige Orte in Österreich, die nicht in der Reichweite von Zwettl und Ysper liegen? Ganz Westösterreich fehlt bei dieser “Energiewoche”!

Ich habe gar nicht den Eindruck, dass es hier um eine Geringschätzung von Energiepolitik in Österreich geht (obwohl das sicher auch ein Faktor sein könnte). Eher scheint mir hier die Einstellung des österreichischen politischen Establishments zur EU erkennbar zu sein. Ein EU-Projekt, das unbestritten löblich ist, kann ruhig in Brüssel bleiben. Wir sind da doch nicht zuständig? Oder sind wir zufällig Teil der EU?

|