Archive für 8.5.2009

Wissenschaft aus in Österreich?

Ich hätte vorgehabt, heute etwas über den EU-Wahlkampf zu schreiben. Besser gesagt über die Abwesenheit jeglicher substantieller politischer Botschaft unter sämtlichen WahlwerberInnen, die da antreten. Doch dann ging ich mal Zeitunglesen - und stellte fest, mein Entsetzen über die EU-Wahllisten kann noch übertroffen werden. Nämlich vom Entsetzen über österreichische Wissenschaftspolitik.

Die Bundesregierung - konkreter das Ministerium von Minister Hahn - hat beschlossen, kein Geld mehr für eine Mitgliedschaft bei CERN zu haben. Nein, ich versteh nichts von Physik, so richtig gar nix. Aber dass physikalische Grundlagenforschung wichtig ist, und Österreich froh sein muss, bei so einem Top-Projekt dabei sein zu können, das hab auch ich kapiert.

Wie kann man nur? Es heißt: kein Geld. Und anscheinend ist das tatsächlich der einfache echte Grund. Nicht etwa Überlegungen, ob Großprojekte dieser Art unzeitgemäß sein könnten (wie es ein Artikel in der heutigen Presse meines Erachtens völlig unüberzeugend suggeriert), auch nicht konkrete Gedanken, dass genau dieses Geld in konkret anstehende andere Forschungsprojekte fließen solle (die irgenwie vielversprechender wären?). Nein, einfach ein Budgetloch, und nicht einmal ein gar so großes. Das wahnwitzige Argument, es handle sich um 70% dessen, was für internationale Forschungskooperation vorgesehen sei, ist ja nur Ausdruck dessen, dass in diesem Land eben nebbich wenig für internationale Forschungszusammenarbeit ausgegeben wird! Es ist so schon schlimm genug, nun soll es noch schlimmer kommen.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass das nur die Spitze eines Eisberges ist.  Dieser Ausstieg aus einem Ort der Spitzenforschung ist nur das oberste Symptom eines kranken Bildungs- und Wissenschaftssystems. Ein krankes Schulsystem, eine unzureichende LeherInnenausbildung, kranke geradezu kaputte Universitäten, keine Konzepte für wissenschaftlichen Nachwuchs, fehlende Forschungsförderung in allen Bereichen. - Ja, das alles zu beheben kostet Geld. Alles zusammen sogar viel Geld - es ist aber nicht nur eine Frage des Geldes, sondern allzu oft auch der politischen Einstellung. Denn gewiss ist eines: Bei Bildung und Wissenschaft zu sparen, kommt längerfristig noch viel teurer!

Eine Finanzkrise lässt sich mit guter Politik unter Kontrolle bringen. Wenn sich zur Finanzkrise aber auch die Bildungskrise gesellen wird, dann wird es wirklich gefährlich!

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