Archive für 5.3.2009

Schule - oj wej?

Es ist wieder mal eine Zeit, wo meinereiner ungern zugibt, “Lehrerin” zu sein. Verfolgt man diverse Kommentare so muss das schrecklicher Berufsstand sein: halbtags arbeitende Faulenzer, lauter Ferien - und dann auch noch jammern, wenn sie ein bissi mehr echten ordentlichen Unterricht halten sollen!

Tatsächlich weiß ich nicht, wer mich momentan mehr mit Kummer erfüllt. Die überforderte Frau Bildungsministerin oder eine versteinerte Gewerkschaft, die allenfalls sich selbst vertritt. Die Diskussion geht an den wahren Problemen vorbei. - Und es mangelt nicht an akuten Problemen: Oftmals baufällige und zu kleine Schulgebäude, Fälle von Agression und Gewalt in Schulen, SchülerInnen, die nicht ausreichend sinnerfassend lesen können (das aber gleich in mehreren Sprachen) … Dem gegenüber steht die Wunschliste, was zu einem erfolgversprechenden Bildungssystem so alles gehören würde: Gute Arbeitsbedingungen für qualifizierte Lehrkräfte, freundliche Schulgebäude für den heute meist geforderten Ganztagsbetrieb, größere Freiheiten für die Schulen, ihre Arbeitsweise selbst so zu gestalten, wie es den Bedürfnissen des Standortes entspricht. Raum für ausreichende Förderung bei Schwächen ebenso wie bei besonderen Begabungen, rechtzeitige Sprachförderung für eine echte kompetente Mehrsprachigkeit… und vieles mehr. Die Diskrepanz zwischen “soll” und “ist” fällt schauerlich aus. Denn das österreichische Bildungssystem leidet schon jahrzehntelang unter gegenseitiger Blockade rot-gegen-schwarz, leidet unter einem Schönreden (insbesondere von sozialdemokratischer Seite) aller bestehender Probleme, litt schon vor der Wirtschaftskrise unter Geldmangel, ist eine lange Liste versäumter Gelegenheiten. Es ist nicht abzusehen, dass der derzeitige Machtkampf zwischen Bildungsministerin und Gewerkschaft irgendeine Lösung der verkrampften Verhältnisse bringt.

Dabei hätten wir es so dringend, so enorm und unaufschiebbar dringend notwendig! Das Schlimmste was eine Gesellschaft zu ihrer eigenen Zerstörung beitragen kann, ist die nächste heranwachsende Generation einem untauglichen Erziehungssystem zu überlassen.

Wer österreichische Verhältnisse kennt, mag Anlass zur Skepsis hegen. Trotzdem. Wir haben gar keine andere Chance, als endlich aus der rot-schwarzen Lähmung auszubrechen und ein Schulsystem zu entwickeln in dem zum Lernen und zum Lehren die passenden “Arbeits”bedingungen bestehen.

+ Schulen, die für die vielen Erziehungsaufgaben, die ihnen heute nun mal übertragen werden, sowohl fachlich als auch finanziell gerüstet sind.

+ Mehr statt weniger Unterrichtseinheiten, um auch jene Fächer, welche soziale Kompetenzen, politische Bildung und interkulturelles Lernen fördern, ausreichend abdecken zu können.

+ Eine entschlackte Ferienordnung, die weniger Ferienzeiten verpflichtend vorschreibt, aber den Schulen auch Spielraum für eigenes Gestalten lässt.

+ Größere Freiheiten für die Entwicklung verschiedener Schultypen, um Eltern tatsächlich Wahlmöglichkeit zu geben. Daraus resultierender Wettbewerb zwischen Schulen könnte dem Niveau nur gut tun.

+ Nicht zuletzt eine verbesserte Ausbildung (und Weiterbildung) für LehrerInnen.

Dann bin ich aufgewacht? - Nein, ich meine es ernst!

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