Warum Liberales Forum?

Als am 18. Jänner das Ergebnis der KandidatInnenliste der Grünen für die EU-Wahl bekannt wurde, war es höchste Zeit für mich, aus der Partei der Grünen auszutreten. Anhand der neuen Besetzung war klar, dass jene, denen oberflächlicher Populismus und Machterhalt einer engen Funktionärsclique mehr bedeuten als gute Politik, die Oberhand gewonnen hatten. 18einhalb Jahre war ich bei den Grünen. Es waren dies keine schlechten Jahre. Die Grünen haben viel geleistet. Doch sie verzettelten sich in eine Apparatschnik-Kultur und in die Bequemlichkeit eines allzu einfachen Lagerdenkens. Es wird nichts mehr.

Zunächst hatte ich gar keine großen Emotionen. Schließlich ist man mit einer Partei nicht verheiratet. So richtig entsetzt und auch aufgeregt war ich erst, als die Grüne Parteiführung im Zuge ihrer Rechtfertigungsversuche die Sexismuskeule ins Spiel brachte. Schlechte Arbeit als Frauenpower zu tarnen, behindert nur das immer noch so notwendige Ringen um Frauenrechte und gleiche Teilhabe!! Über den Schaden an echter Frauenpolitik, der hier zugefügt wurde geriet ich in Wut.

So weit so einfach. Aber es kommen Wahlen, und bei Wahlen wählen wir nunmal Listen, die von Parteien erstellt werden. Ich halte die Fragen, die Christoph Chorherr neulich in seinem Blog aufgeworfen hat, wozu Parteien heute überhaupt noch gut seien, für wichtig. Aber ich beantworte die Frage anders: Das Wesen von Parteien wird sich angesichts der neuen Kommunikationsmittel ändern (ändern müssen). Aber es werden weiterhin Parteien sein. Und wenn ich will, dass das berühmte “kleinste Übel”, das Leute am Stimmzettel bei Wahlen suchen, doch nicht nur ein kleines Übel sondern eine Chance für die Zukunft ist, muss ich mich für die politischen Parteien interessieren. - Also begab ich mich doch auf die Suche nach einer Partei, bei der ich mich einbringen kann.

Mein erster Kontakt mit dem LIF fiel in die späten 1990er Jahre. Da war das “überparteiliche” Antreten von Heide Schmidt zu den Präsidentschaftswahlen, und ich unterstützte nicht die von den Grünen damals ebenso “überparteilich” vorgeschlagene Kandidatin, sondern die viel überzeugendere Heide Schmidt. Und als damaliges Vorstandsmitglied der Grünen Bildungswerkstatt beobachtete ich die Aktivitäten des Liberalen Bildungsforums (der Konkurrenz sozusagen) genauer und sah, dass dort gute und überzeugende Dinge gemacht wurden. Es kamen schlechtere Zeiten für das LIF, die Epoche der gemeinsamen Kandidatur mit der SPÖ war kein Ruhmesblatt. Die letzten Wahlergebnisse sahen dann auch so aus. Heute ist das LIF dabei, sich wieder aufzubauen. Ein ambitioniertes Netz von alteingesessenen Wiedererwachten und zahlreichen neuen Leuten bemüht sich um einen Neuaufbau. Dass kein Geld und kein Parteiapparat vorhanden ist, schafft Hürden. Aber es hat auch etwas enorm Erfrischendes: Wo keine Posten zu vergeben sind, treffen sich in erster Linie die, denen es tatsächlich um die Sache geht. Das ist gut.

Um nicht zu überstürzt zu handeln, verordnete ich mir einen Monat Pause zwischen alter und neuer Partei. Ging erst mal schauen und Leute kennenlernen. Dass ich in die politische Ausrichtung “liberal” passe, war ohnehin klar. Wissen wollte ich, ob das, was da gemacht wird, auch gutes Niveau hat und Chancen für eine erfolgreichen Aufbau verspricht. Das Kennenlernen fiel positiv aus. Nun habe ich meinen Beitrittsantrag zum LIF unterschrieben. Und freue mich auf viel Mitarbeit in einem offenen Team, an einem Ort, and dem DENKEN in der Politik noch erlaubt und sogar gern gesehen ist!

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